Chiwa - Ak Moschee
Die Ak-Moschee von Chiwa: Ein architektonisches Juwel Zentralasiens
Die Ak-Moschee, auch als “Weiße Moschee” bekannt, befindet sich am östlichen Tor der historischen Altstadt von Ichan-Qala in Chiwa, einer der bedeutendsten Städte Usbekistans. Dieses kleine, aber architektonisch wertvolle Bauwerk ist eine sogenannte “Nachbarschafts-Moschee” (Mahalla- oder Guzar-Moschee), ein Bautypus, der speziell für die Bewohner eines bestimmten Stadtviertels errichtet wurde. Diese Moscheen dienten nicht nur als Orte des Gebets, sondern auch als soziale Zentren, in denen sich die Nachbarschaft versammelte und wichtige Angelegenheiten des Alltagslebens besprach.
Geschichtlicher Hintergrund
Die Ursprüngliche Errichtung der Ak-Moschee geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als sie während der Herrschaft von Anush-Khan erbaut wurde. In ihrer heutigen Form stammt sie jedoch aus einer umfassenden Renovierung, die zwischen 1838 und 1842 durchgeführt wurde. Trotz ihrer bescheidenen Größe ist die Moschee ein bemerkenswertes Beispiel für die traditionelle Baukunst der Region, die in der Spätzeit des Khanats Chiwa ihre Blütezeit erlebte. Ihre Architektur verbindet schlichte Eleganz mit funktionaler Zweckmäßigkeit und zeigt eindrucksvoll die handwerkliche Meisterschaft der damaligen Zeit.
Architektonische Besonderheiten
Das Herzstück der Ak-Moschee ist die zentrale Kuppelkammer, die sogenannte Khanaqa, die eine Grundfläche von 6,25 × 6,35 Metern aufweist. Diese Kammer wird von drei Seiten von hohen, mehrsäuligen Aiwans umgeben. Diese offenen, schattenspendenden Galerien dienten nicht nur als Gebetsräume, sondern boten den Gläubigen auch Schutz vor der intensiven Sonneneinstrahlung. Die Aiwans sowie die Khanaqa enthalten kunstvoll gestaltete Mihrab-Nischen, die die Gebetsrichtung nach Mekka markieren.
Besonders hervorzuheben ist die meisterhafte Holzschnitzkunst, die sich in den filigran verzierten Holzsäulen der Moschee widerspiegelt. Diese Stützen sind auf kunstvollen Sockeln errichtet und mit detailreichen floralen und geometrischen Ornamenten geschmückt. Die Präzision und Eleganz der Schnitzereien bezeugen die hohe Kunstfertigkeit der Handwerker des 19. Jahrhunderts. Die Namen zweier herausragender Meister, Usta Nurmuhammad und Usta Qalandar, sind auf den kunstvoll verzierten Moscheetüren verewigt, die mit einer reichen Ornamentik versehen wurden.
Ein weiteres architektonisches Highlight ist die weiße Gantsch-Beschichtung der Wände, die der Moschee nicht nur ihren Namen verlieh, sondern ihr auch eine fast leuchtende, erhabene Erscheinung verleiht. Es wird vermutet, dass diese Benennung von einem Vorgängerbau stammt, der bereits unter Anush-Khan existierte. Archäologische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass sich unter den heutigen Mauern noch Reste dieser früheren Struktur befinden.
Die Funktion der Moschee in der Gesellschaft
Neben ihrer religiösen Funktion hatte die Ak-Moschee eine zentrale soziale Bedeutung für die Bewohner des umliegenden Viertels. Als Nachbarschafts-Moschee diente sie nicht nur als Gebetsstätte, sondern auch als Treffpunkt für wichtige gemeinschaftliche Anlässe. Hier wurden gesellschaftliche Fragen diskutiert, Hochzeiten geplant und religiöse Feste vorbereitet. Solche Mahalla-Moscheen waren von zentraler Bedeutung für das soziale Gefüge der Stadt und spielten eine entscheidende Rolle im Leben der Einwohner.
Kunsthistorische Bedeutung
Die kunstvolle Gestaltung der Ak-Moschee macht sie zu einem herausragenden Beispiel zentralasiatischer Baukunst. Besonders bemerkenswert sind die fein gearbeiteten Türabschlüsse und die durchbrochenen Fenstergitter aus Holz, die neben ihrer funktionalen Bedeutung auch einen dekorativen Wert besitzen. Die kunstvollen Inschriften, die sich in den Schnitzereien der Türen verbergen, sind nicht nur Zeugnisse hoher Handwerkskunst, sondern geben auch Einblick in die religiöse und kulturelle Welt der damaligen Zeit.
Der Hauptgebetsraum der Moschee befindet sich in einem separaten Wintergebäude, das von einer markanten weißen Kuppel gekrönt wird. Dieses architektonische Element erfüllt nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern dient auch der Klimaregulierung, indem es Wärme speichert und so die Nutzung der Moschee in den kalten Wintermonaten ermöglicht.
Die Ak-Moschee von Chiwa ist weit mehr als ein religiöses Bauwerk. Sie ist ein bedeutendes Zeugnis der islamischen Architektur in Zentralasien und ein beeindruckendes Beispiel für die handwerkliche Meisterschaft der Region. Ihre detailreiche Holzschnitzkunst, ihre architektonische Klarheit und ihre gesellschaftliche Bedeutung machen sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Erbes von Chiwa. Besucher der historischen Altstadt von Ichan-Qala sollten es nicht versäumen, dieses bemerkenswerte Bauwerk zu erkunden und die besondere Atmosphäre dieses Ortes zu erleben.