Chiwa - Badehäuser Anush Khan
Die Hammams von Chiwa – Ein Meisterwerk orientalischer Badekultur
Die Hammams von Chiwa, insbesondere die Badehäuser Anush Khan, zählen zu den bedeutendsten architektonischen Zeugnissen der historischen Badekultur Zentralasiens. Sie stehen in einer tief verwurzelten Tradition technologischer, volumetrisch-räumlicher und planerischer Gestaltung und nehmen eine herausragende Stellung in der Architekturgeschichte der Stadt ein. Als das früheste bekannte Baudenkmal dieser Art in Chiwa sind sie von unschätzbarem Wert für die Erforschung der zivilen Architektur der Region und zeugen von einem bemerkenswerten technischen und kulturellen Erbe.
Geschichte und Bedeutung
Die Hammams wurden unter der Herrschaft von Abulghazikhan im Jahr 1657 errichtet und sind bis heute die ältesten erhaltenen Badeanlagen dieser Art in Chiwa. Historischen Quellen zufolge ließ Abu’l Ghazi Bahadur Khan sie zu Ehren seines Sohnes Anush Khan erbauen. Diese Badehäuser sind typische Beispiele orientalischer Badeanlagen des Mittelalters, deren architektonische Konzeption sich an bewährte Prinzipien anlehnte. Die Hammams dienten nicht nur der persönlichen Hygiene, sondern waren auch ein sozialer Treffpunkt, an dem sich die Bevölkerung austauschte und entspannte.
Architektonische Gestaltung und Funktionsweise
Die Konstruktion der Badehäuser folgte einem durchdachten Prinzip zur Wärmeisolierung und Temperaturanpassung. Sie bestanden aus mehreren funktional unterteilten Bereichen, darunter ein Vorraum, Umkleideräume sowie unterschiedlich temperierte Waschräume, die nach einem ausgeklügelten System beheizt wurden. Durch eine Abfolge von Räumen, in denen die Temperatur schrittweise anstieg, gelangte man in den zentralen Waschraum, in dem die eigentliche Reinigung stattfand. Um diesen Hauptraum herum befanden sich mehrere kleinere Nebenräume mit verschiedenen Funktionen, darunter Ruheräume und Massageräume.
Ein bemerkenswertes Merkmal der Badehäuser Anush Khan war ihr halbunterirdisches Heizsystem, das eine effiziente Speicherung der Wärme ermöglichte. Die Beheizung des Hammams erfolgte über ein unterirdisches Kanalsystem, das heiße Rauchgase unter dem Boden leitete. Dadurch wurde nicht nur der Fußboden erwärmt, sondern auch eine gleichmäßige Raumtemperatur gewährleistet. Zudem wurde das Wasser aus einem nahegelegenen Brunnen entnommen, der sich direkt neben dem Kesselraum befand.
Die Badehäuser verfügten über ein für die damalige Zeit außergewöhnlich fortschrittliches Heiz- und Abwassersystem, das eine hygienische Nutzung der Anlage sicherstellte. Das Wasser wurde in speziellen Becken gesammelt und in verschiedenen Temperaturstufen bereitgestellt, sodass die Besucher von einem kühleren in einen wärmeren Bereich wechseln konnten. Der heiße Dampf, der durch das Heizsystem erzeugt wurde, sorgte für eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit, die die reinigende Wirkung des Bades verstärkte.
Bauliche Besonderheiten und städtebauliche Integration
Bis heute kann man in der historischen Altstadt von Chiwa, Ichan-Kala, die Überreste dieses außergewöhnlichen Bauwerks besichtigen. Die Hammams liegen teilweise unter der Erde, sodass ihre Existenz nur durch die über den Boden ragenden Kuppeln sichtbar ist. Diese architektonische Lösung diente nicht nur der Temperaturregulierung, sondern trug auch zur harmonischen Einbettung des Gebäudes in die städtische Struktur bei. Die Kuppeln hatten zudem eine besondere Funktion bei der Belüftung und dienten als Lichtquellen, da durch ihre kleinen Öffnungen Tageslicht einfiel, ohne dass die Wärme entweichen konnte.
Die innere Gestaltung der Badehäuser war eher schlicht, doch funktional durchdacht. Die Wände und Gewölbe waren mit wasserabweisendem Putz versehen, der nicht nur für ein angenehmes Raumklima sorgte, sondern auch die Reinigung erleichterte. Einige Reste von kunstvollen Mosaiken und kalligrafischen Inschriften deuten darauf hin, dass die Hammams einst mit aufwendigen Ornamenten verziert waren, die im Laufe der Zeit verblassten.
Bedeutung in der Gegenwart
Heute sind die Hammams von Chiwa ein wichtiges kulturelles Erbe und ein faszinierendes Beispiel für die hochentwickelte Ingenieurskunst und das ausgeprägte Hygieneverständnis der damaligen Zeit. Archäologen und Historiker erforschen weiterhin die genaue Funktionsweise und Bedeutung dieser Badehäuser in der Gesellschaft des mittelalterlichen Chiwa. Einige Abschnitte der Hammams wurden restauriert und stehen Besuchern offen, um ihnen einen Einblick in die Badekultur vergangener Jahrhunderte zu gewähren.
Die Badehäuser Anush Khan sind nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern auch ein Zeugnis der Lebensweise und sozialen Strukturen vergangener Zeiten. Sie verdeutlichen, dass Hygiene, Gesundheit und gemeinschaftliches Miteinander in der islamischen Welt schon früh eine zentrale Rolle spielten. Besucher der Stadt Chiwa sollten es nicht versäumen, dieses beeindruckende Bauwerk zu erkunden und sich von der faszinierenden Architektur und Geschichte der orientalischen Badekultur inspirieren zu lassen.